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Simbabwe – viel mehr als nur Safari

Simbabwe – viel mehr als nur Safari (Teil 1)

Simbabwe, da denken die meisten wohl vor allem an die Victoria Fälle, die sich das Land mit Sambia teilt: es sind die größten Wasserfälle Afrikas, UNESCO Weltnaturerbe und inzwischen leider recht touristisch.

Das Südafrikanische Land bietet noch viel mehr als nur Tiere und Wasserfälle, wenn man bereit ist einige Zeit auf den nicht ganz so gut ausgebauten Straßen des Landes zu verbringen oder in Inlandsflüge zu investieren. Das will ich mir genauer anschauen.

9 gute Gründe für Simbabwe

  • Direktflug ab Frankfurt mit kurzem Stopp in Windhoek
  • Einfach Einreise mit „Visa on arrival“
  • Wohnen wie einst die Queen
  • Spektakuläre Nationalparks mit unglaublicher Tiervielfalt, u.a. spannendes Nashorn Tracking
  • Die beste Sicht auf die Victoria Fälle
  • Aktiv sein rund um die Victoria Fälle mit Rafting, Bungee Jumping, Ziplining oder Baden im „Devil’s Pool“
  • Luxuriöse Entspannung inmitten des Sambesi River
  • intensive Begegnungen mit Menschen und Kultur bei Fahrten durch das Land – Afrika auch fernab von Tieren und Luxus Lodges
  • eine der umfangreichsten Ansammlungen von Buschmannzeichnungen im südlichen Afrika

Hwange Nationalpark – der größte Nationalpark Simbabwes

Vom internationalen Flughafen Victoria Falls aus erreiche ich nach ca. 2 Stunden Fahrt den Hwange Nationalpark, den größten Nationalpark des Landes und besonders bekannt für seine Büffel- und Elefantenherden. Der Park ist ein wichtiger Bestandteil der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (kurz KAZA), eines der größten grenzüberschreitenden Schutzgebiet-Netzwerke der Welt. Entsprechend hoch ist die Tierdichte und es gibt große Chancen, 4 der „Big 5“ zu sichten: Löwen, Leoparden, Elefanten und Büffel (aber keine Nashörner).

Ich wohne in einer gemütlichen Eco-Lodge mit nur 9 Zimmern, alle mit Blick auf das Wasserloch und die umliegende Landschaft, außerdem gibt es einen kleinen Infinity Pool mit spektakulärer Aussicht. Wie in den meisten Lodges sind auch hier zwei Aktivitäten pro Tag inkludiert, wahlweise eine Pirschfahrt oder ein Bushwalk zu Fuß.

Pirschfahrten, Bushwalks und Sundowner

Ich starte mit einer Pirschfahrt am frühen Morgen, und fühle mich im Jeep gleich „wie zu Hause“: es ist richtig kalt, eingepackt in dicke Decken, Schal und Mütze fahren wir los, als die ersten Sonnenstrahlen das Land berühren. Der Morgennebel steht über den Wiesen und in mir steigt dieses altbekannte, aufregende Gefühl auf: was wir wohl heute sehen werden? Erwartungsvoll blicke ich umher, doch zunächst gibt es vor allem Tierspuren zu sehen. Löwen und Hyänen waren nachts in der Gegend, aber das frühe Aufstehen wird später doch belohnt und wir sehen Giraffen, Nilpferde, Krokodile, Zebras, Warzenschweine und diverse Antilopen und Vögel.

Am Nachmittag geht es dann zu Fuß auf „Bushwalk“ mit Rangern, die uns vor allem viel über die Pflanzen und kleineren Tiere wie Käfer und Termiten beibringen. Anschließend folgt ein wundervoller „Sundowner“, also Drinks und Snacks zum Sonnenuntergang mit Blick über die Weiten Simbabwes. Zurück im Camp lassen wir nach dem Abendessen den Tag am Lagerfeuer Revue passieren und wundern uns immer noch, dass wir heute tatsächlich keinen einzigen Elefanten gesehen haben. Das muss man im Hwange erstmal schaffen! Aber so ist es eben in der Wildnis, es gibt keine Garantie für Sichtungen und so bin ich trotzdem sehr dankbar dafür, dass ich hier in dieser wundervollen Kulisse unterwegs sein darf.

Meine Reise geht weiter in den unbekannteren Süden von Simbabwe. Die Fahrt dorthin dauert ca. 6-7 Stunden. Der klimatisierte Van ist durchaus komfortabel, doch die teils nicht asphaltierten Straßen mit vielen Schlaglöchern und fordern einiges an Geduld. Zwischenzeitlich frage ich mich, ob der Süden wirklich so viel zu bieten hat, dass man diese Fahrt auf sich nimmt.

Hunderte von Elefanten am Wasserloch

Die Mittagspause verbringe ich am südlichen Rande des Hwange Nationalparks, und allein dieser Stopp ist die Fahrt schon wert gewesen. Hier angekommen wartet ein ganz besonderes Begrüßungskomitee auf mich: über hundert Elefanten am Wasserloch! Ich kann es gar nicht fassen, staunend sitze ich nur etwa einen Meter von den grauen Riesen entfernt und lausche dem Brummen und Schnaufen das sie von sich geben, während sie den mit Mineralien angereicherten Sand fressen. Im Hintergrund baden einige Tiere und die Kleinen spielen miteinander oder üben das Trompeten. Ein wundervoller Moment, den ich noch lange in Erinnerung behalten werde! Es scheint, als hätten die Elefanten nur auf mich gewartet, denn nach meinem Besuch dort ziehen auch sie weiter.

Matobo Nationalpark – Granitfelsen und beeindruckende Felsmalereien

Nach der unglaublich beeindruckenden Mittagspause inmitten von Elefanten fahre ich weitere 5 Stunden in Richtung Süden bis zum Matobo Nationalpark. Nach einem leckeren Abendessen geht es erst einmal früh ins Bett und ich bin sehr aufgeregt: hier soll es Nashörner geben und die habe ich bisher auf keiner meiner Afrikareisen richtig gesehen.

Am nächsten Morgen blicke ich bei Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher von meiner Terrasse bis zum Horizont und erfasse erst so richtig, wo ich hier bin. Der Matobo Nationalpark inmitten der Matobo Berge ist UNESCO Weltnaturerbe, hier liegen tausende Granitfelsen durch Erosion aufeinandergeschichtet und bilden Felsformationen die aussehen, als hätten Riesen sie beim Spielen erschaffen. Inmitten dieser mystischen Atmosphäre liegt unsere Lodge, die Zimmer wurden um die Felsen herum gebaut und jedes individuell eingerichtet. Der Zugang ist teils sehr abenteuerlich, es gibt viele Stufen durch die Felsen, schmale Durchgänge und sogar eine Hängebrücke.

Um die Region und ihre Besonderheiten besser kennenzulernen besuche ich die Berge im Nationalpark mit geheimnisvollen Höhlen, in denen es noch über 2.000 Jahre alte Felsmalereien zu entdecken gibt. Antilopen, Zebras, Giraffen und Jäger zieren die Wände und sind zum Teil noch sehr gut erhalten. Es wird vermutet, dass es in der Region noch bis zu 30.000 Malereien gibt.

Endlich Nashörner!

Der nächste Stopp ist der Aussichtspunkt „View of the World“ und die Stimmung mit atemberaubendem Blick auf all die aufgetürmten Granitfelsen lässt sich gar nicht in Bildern einfangen. Kein Wunder, dass Cecil Rhodes hier beerdigt werden wollte, der Kolonialist nach dem Rhodesien (das heutige Simbabwe) benannt wurde. Sein Grab liegt hoch oben auf einem Hügel umgeben von kugelförmigen Granitfelsen.

Nach einem ausführlichen historischen Exkurs in die Welt der Felsmalereien und Kolonialisten kommt nun endlich der lang ersehnte Funkspruch: es gab Nashornsichtungen in der Nähe!

Wir treffen zwei Ranger und nach einer Sicherheitseinweisung gehen wir etwa 20 Minuten schweigend zu Fuß durchs hohe Gras. Dann bleiben die Ranger plötzlich stehen, geben sich Handzeichen und teilen sich auf, um die Nashörner zu suchen. Plötzlich ein Schnauben von links und da sind sie: eine Brautmaulnashorn Mutter mit ihrem 3 Monaten alten Baby! Da die Nashörner hier permanent von Rangern begleitet und beschützt werden, können wir bis ca. 6-8 Meter an die Tiere heran. Mein Herz klopft, ich halte den Atem an und bin unfassbar glücklich. Nach all meinen Safaris sehe ich endlich das erste Mal Nashörner in freier Wildbahn und dann so nah! Es könnte nicht schöner sein. Nach ca. einer halben Stunde machen wir uns auf den Rückweg und genießen den Nachmittag in unserer Lodge am Natursteinpool. Für mich als studierte Wildtiermanagerin war dies ein unendlich emotionaler Tag und die lange Fahrt in den Süden Simbabwes hat sich absolut gelohnt!

Weiter geht es wieder in Richtung Norden und Victoria Falls. Lesen Sie in Teil 2, was ich auf dem Weg dorthin noch erlebt habe.

1. Juni 2023
Meike Kalume